26 „Gedacht und gemacht!“ Wie die kleine Christa es schaffte, ihre Geschwister allein großzuziehen…
Shownotes
Lebenspraktisch, zupackend, umsichtig und liebenswert, so ist die 13-jährige Christa, von der wir in dieser Folge hören. Die fast 90-jährige Christa, die heute einen Teil ihrer Geschichte mit uns teilt, ist oft schon sehr müde und schläft viel. Ich habe schon länger gehofft, einmal einen munteren Moment für eine Podcast-Aufnahme zu finden, um ihre besonderen Erinnerungen festzuhalten. Und heute ist dieser Tag, an dem sie Lust und Kraft hat, noch einmal von früher zu erzählen. Von einem „Früher“, das für uns wohl kaum vorstellbar ist. Beim Gespräch wurde ihre anfangs gebeugte Haltung immer aufrechter und sie schickte schließlich im Zimmer erscheinende Pflegekräfte kurzerhand mit dem selbstbewussten Hinweis nach draußen: „Jetzt nicht! Ich gebe grad ein Interview!“
Christa und ich, wir freuen uns riesig, wenn Ihr Euch die Zeit zum Zuhören nehmt. Es lohnt sich ganz bestimmt.
Folge mit Almut
Wenn Ihr mehr über meine Arbeit erfahren wollt: https://almutkaplan.de/
Transkript anzeigen
00:00:00: Willkommen bei unserem
00:00:01: Podcast
00:00:02: Ohren für Senioren.
00:00:03: Wir sind Almut
00:00:04: und Tinker!
00:00:06: In jeder Folge hören wir einen Menschen zu, der auf ein eigenes langes Leben zurückblickt.
00:00:12: Wir möchten zeigen dass Heimbewohner durchaus noch viel zu sagen
00:00:15: haben
00:00:16: und das es sich lohnt ihnen zuzuhören Denn jede Stimme
00:00:20: zählt und jedes Leben hat etwas zu erzählen.
00:00:34: Internet, so dass man sich's vorstellen kann.
00:00:38: Ja!
00:00:39: Den, das Datum...
00:00:41: Das Datum?
00:00:42: Heute ist der zwölfte Mai.
00:00:44: Der zwölfte Mai.
00:00:46: Ja und ich will eigentlich erstmal gar nicht so viel quasseln sondern Ihnen das Wort übergeben.
00:00:53: Wo soll ich anfangen?
00:00:55: Ich weiß, dass Sie eine Besondere Kindheit hatten.
00:01:00: Eine besonders schwere Kindheit kann man durchaus auch sagen, die sie aber gut bewältigt haben.
00:01:06: Dann fange ich damit an dass sich meine Mutter mit meinem dreizehnten Lebensjahr in die rustige Frauenklinik gebracht habe und vorher habe ich gefragt ob ein Doktor mal zu uns kommen könnte.
00:01:25: Meine Mutter war so krank.
00:01:28: Ihre Mama ging es immer nicht gut?
00:01:30: Ja, und meine Mutter sah so krunk aus und blass und schwach.
00:01:38: Da habe ich zu meinen Geschwistern gesagt, ob ich mal in die Frauenklinik fragen kann, ob ein Doktor mal zu uns kommen könnte.
00:01:48: Und die Schwester wächte vorne ... hat er gesagt, wollen wir mal sehen ob wir eine Schwester finden?
00:01:58: und die Schwester ist dann gekommen.
00:02:02: Wir sind auf Station gegangen und sie hat ein Doktor geholt und hat mit ihm gesprochen.
00:02:13: und da hat der Doktor gesagt, ob er auch Christa zu mir sagen könnte.
00:02:20: Und dann hat er gesagt, weißt du was wir jetzt machen?
00:02:24: Jetzt steigen wir beide in mein Auto und fahren zu dir nach Hause.
00:02:30: Dann gucke ich mir deine Mutti an und spreche mit deiner Mutti und dann werden wir sehen, was da draus wird.
00:02:38: Er kommt und spricht mit meiner Mutter und schimpft sie so aus als wenn er ein kleines Kind ausschimpfen würde!
00:02:48: Meine Geschwister haben inzwischen die Sachen hingelegt, die meine Mutti denn anziehen muss.
00:02:57: Und dann hat sie sich angezogen und dann hatte meine Mutter gleich mitgenommen und dann hat er sie auch untersucht und hat dann gemeint Sie müsste da bleiben!
00:03:10: Ich soll den nächsten Tag in die Frauenklinging kommen am Vormittag das Ergebnis von der Untersuchung mitgeteilt bekommen.
00:03:23: Und dann werden wir sehen, was wir mit Mutti machen.
00:03:26: und nächsten Tag bin ich hier zu meiner Mutter.
00:03:29: und da habe ich so bei mir gedacht jetzt wird sie dich toll ausstimpfen weil ich das einfach gemacht hab den Doktor geholt hat.
00:03:39: im Gegenteil die hat mich umarmt und hat gesagt dass hätte ich gut gemacht Das hat sie nicht erwartet, dass ich das machen würde.
00:03:52: Ich selber habe ja meine Periode auch noch nicht gehabt und wir wurden hier früher auch noch gleich aufgeklärt.
00:04:01: War das insofern ein bisschen schwierig die ganze Geschichte?
00:04:06: Ja!
00:04:06: Und warum hat der Doktor ihre Mutti so ausgeschimpft?
00:04:10: Weil sie nicht früher zum Frauenarzt gegangen ist.
00:04:14: Und früher sind ja die... Mütte nicht gleich zum Frauenarzt gegangen, weil sie sich alle geschämt haben.
00:04:23: Aber heute ist es ja anders!
00:04:27: Heute werden wir früher aufgeklärt und gehen dann auch mit unserem Zustand ein bisschen besser um?
00:04:37: Ja das stimmt.
00:04:39: Das ist doch gut dass sich das so verändert hat.
00:04:43: Zum Positiven Das ist auch meine Meinung.
00:04:48: Und wie ist das dann weitergegangen?
00:04:51: Meine Mutter, die ist dann anderthalb Jahre lang da in der Klinik gewesen und musste bleiben weil sie Gebähemutter als Krebs hatte.
00:05:04: Heute ist es ja alles ein bisschen anders.
00:05:07: Ja, nun ist meine Mutter ja eineinhalb Jahre lang in der klinik geworden.
00:05:13: Und wenn ich meine Mutter denn besucht habe und dieser Doktor da war, der mit mir zu Hause gewesen ist.
00:05:21: Der hat mich dann auch immer begrüßt und war sehr freundlich und konnte das immer noch nicht begreifen.
00:05:29: dass ich mit meinen dreizehnten Lebensjahr das alles so gemacht hab fand er sehr gut und meine Geschwister natürlich auch.
00:05:39: Aber ihre Mutter Überlebt letzten
00:05:42: Endes?
00:05:43: Ja, weil sie ja anderthalb Jahr lang in der Klinik gewesen ist.
00:05:50: Sie war ja dann auch in dieser Zwischenzeit mal zu Hause eine oder zwei Tage nur, weil dann wieder die Blutung kam und sie wieder in die Klinikum musste durfte nicht Zuhause bleiben.
00:06:07: Ja, und dann waren natürlich nachher die Beerdigung.
00:06:11: Und dann habe ich meine Geschwister, sagen wir mal, großgezogen.
00:06:18: Also ihre Mama ist gestorben?
00:06:21: Sie waren letzten Endes, wenn ich es richtig verstehe schon mit dreizehn Jahren verantwortlich für ... Für
00:06:29: meine vier Geschwisters.
00:06:31: Die
00:06:31: Kleiner waren
00:06:32: ja.
00:06:33: Mein Bruder war noch ein Jahrelder.
00:06:36: Ach so!
00:06:37: Ja.
00:06:38: Aber die anderen Kinder waren kleiner.
00:06:40: Kleiner!
00:06:41: Und wo war Ihr Vater?
00:06:43: Mein Vater ist vermisst, gemeldet und ich nehme an dass mein Vater während des Krieges verschollen ist oder wie soll ich mich ausdrücken?
00:06:55: Da
00:06:56: ist nicht mehr wieder zurückgekommen.
00:06:58: Nein
00:06:59: Sie waren wirklich ganz alleine.
00:07:01: Wir waren ganz alleine.
00:07:03: ja
00:07:04: Wie war denn der Alltag für Sie?
00:07:06: Sie hatten vier Geschwister zu versorgen.
00:07:09: Wie ist das gegangen?
00:07:10: Ich frage mich, dass ich habe auch gerade ein dreizehnjähriges Kind und kann mir das nur ganz schwer vorstellen wie es geht.
00:07:18: Ja!
00:07:20: Und zwar gab's früher eine Gemeindeschwesterin.
00:07:26: Und diese Gemeindenschwester ist jedes Mal in bestimmten Abständen zu uns gekommen und hat geguckt, ob saubere Wäsche ist.
00:07:40: Ob die Strümpfe gestopft sind.
00:07:42: Und ob auch mal ein Pflicken eingesetzt worden ist.
00:07:47: Das lach ja alles auf meine...
00:07:50: Ja eben!
00:07:51: Ja und das hat sie sich alles angeguckt und hat dann gesagt dass ich das sehr gut gemacht habe und dass ich auch immer schönes Mittagessen gemacht hab.
00:08:06: Ich habe ja früher schon immer zugeguckt, wenn meine Mutter gekocht hat.
00:08:13: Ach
00:08:13: so?
00:08:15: Ja!
00:08:15: Und daher wusste ich jetzt wie man zum Beispiel eine Soße macht und in der Pfanne mit Butter und Mehl...
00:08:24: Ja.
00:08:25: So einen Mail-Schwitze sagte man dazu, das habe ich denn alles so gemacht.
00:08:32: und dann habe ich mir auch gemerkt dass zum Beispiel an einem Porree Gemüse bis in Muskat noch dran kommt und das hab' ich dann auch gemacht.
00:08:45: Alles abgeguckt schon mit so viel Aufmerksamkeit!
00:08:49: Und die Nachbarin Eine junge Frau, die selber drei Kinder hatte und nicht kochen konnte.
00:08:58: Die sagte dann zu mir, du Christa!
00:09:02: Du hast heute ein Mittagessen gemacht?
00:09:05: Kann ich das mal
00:09:06: probieren?".
00:09:08: Und er sagt sie, das schmeckt aber gut.
00:09:11: Kannst du mir das Rezept mal aufschreiben?
00:09:15: Das möchte ich morgen gerne
00:09:17: kochen.".
00:09:19: Und ich hab hier auch ein bisschen von der Muskatnuss gegeben.
00:09:23: Das ist eine Nuss, die man reibt und dann erregt man so was in den Topf als Gewürz.
00:09:32: Das schmeckt sehr gut!
00:09:33: Da haben Sie also noch der anderen Frau geholfen, obwohl sie selbst ja im Prinzip Hilfe bräuchten?
00:09:42: Ja... So ist es!
00:09:43: Was haben Sie denn immer so
00:09:45: gekocht?!
00:09:45: Ich stelle mir vor dass das gar nicht alles zu kaufen gab, sind die Fünfziger gewesen?
00:09:52: Ja.
00:09:53: Meine Mutter ist immer zu einer Frau gegangen, die einen großen Garten hatte und in unserer Straße gewesen ist und ein bisschen Gemüse verkauft hat.
00:10:08: Da bin ich denn früher auch hingegangen und habe gefragt ob ich kommen kann oder mir auch etwas holen kann.
00:10:17: Und dann haben wir wenig Geld geirr gegeben.
00:10:20: Sie hatte denn so bestimmte Preise, aber bin ich und das kam hier ja zu gut mit.
00:10:27: Wir hatten ja nur hundert-achtzig Euro, ne Mark?
00:10:31: Hundert-achzig Mark zur Verfügung für den ganzen Monat.
00:10:36: Da ging da noch die Mieter ab...
00:10:38: Was war das für Geld?
00:10:39: War das sowas wie Weisenrente?
00:10:42: Ja,
00:10:42: Weisenrendenratem an dazu!
00:10:45: Und damit mussten sie auskommen.
00:10:47: Sie mussten sehr gut mit Geld umgehen schon!
00:10:50: Ja...
00:10:51: Wir haben sie das geschafft noch, was gab es noch für Tricks?
00:10:56: Zum Schluss des Monats fehlte mir immer ein bisschen Geld.
00:11:02: Das kenne ich.
00:11:03: Dann bin ich zu meinem Großvater gegangen und da sage ich, du Opa kannst du mir nochmal etwas Geld geben für diese Woche?
00:11:15: Ich habe jetzt nichts mehr und das bisschen sage ich, dass es nur aufgebraucht.
00:11:21: Und dann sagt er ja wieviel wir zu dir haben?
00:11:25: Du musst mir das geben was du geben kannst!
00:11:29: Du hast hier auch nur deine Rente.
00:11:32: und dann sagte na den gebe ich dir jetzt zwanzig Mark und dann kommst du damit die ganze Woche aus versuchst du da mit auszukommen.
00:11:42: Ja,
00:11:44: also der Opa war noch so ein bisschen im Hintergrund.
00:11:47: Den konnte man auch mal fragen wenn etwas war?
00:11:51: Wir haben sie denn eingekauft.
00:11:53: und ja dann bin ich zum Schlachter gegangen und den habe gesagt und das hab ich noch an Fleisch marken Und was kann ich denn dafür kriegen?
00:12:05: und dann hat sie mir das gesagt.
00:12:07: und Dann habe ich sagen wir mal jetzt hundert Gramm Leberwurst habe ich auch ein klein bisschen Speck genommen.
00:12:17: Eine Grünzwurst konnte man noch kaufen, das hab' ich dann auch gemacht.
00:12:22: und den Sauerkraut kannte ich von meiner Mutter die hat eine grünzwürste und sauer Kraut.
00:12:28: Das war dann einmal ein Mittagessen.
00:12:32: Und dann habe ich wenn ich aus dem Garten ein paar Wurzel und ein paar Äbsen wo der Mehl schwitzi gemacht hat.
00:12:42: Und dann hatten wir einfach nur Kartoffeln und das Gemüse mit der Soße.
00:12:50: Das musste auch reichen?
00:12:52: Hat auch gereicht, und hat auch geschmeckt!
00:12:55: Was wir gerne gegessen haben und was wenig gern gekostet hat war der Fisch.
00:13:02: Dann waren im Fischladen drei Fischgerichte Aber alles war dorsch.
00:13:10: Und die kleinsten Dorsche, die kamen... ...fünfzig fennig!
00:13:16: Ein Pfund oder ein Kilo, fünfzig Fennig.
00:13:21: und jetzt hab ich den genommen.
00:13:24: Das hat genau so geschmeckt als wenn sie das andere genommen hätte.
00:13:28: Als wenn Sie die großen Fische genommen hätten?
00:13:30: Nur Sie hatten mehr Arbeit damit.
00:13:32: Wir müssen vielleicht auch noch mal kurz erwähnen von welcher Zeit wir sprechen.
00:13:37: Das ist in der Fünfzigen gewesen.
00:13:42: Anfang der Fünftiger, ne?
00:13:44: Na ja so Ende der Vierzigern, Anfang der fünftigern... So ungefähr spielt das!
00:13:50: Ja.
00:13:52: Also das war wirklich die Zeit, die man gerne als die schwere Zeit bezeichnet zumindest.
00:13:58: Also hier
00:13:59: im Osten gab es wirklich auch noch Hunger und Entbehrungen
00:14:06: Und wir haben auch Ehren gesammelt.
00:14:11: Mein Bruder ist dann beigegangen und hat den Sack, wo die Ehren drin waren, zugebunden und geklopft durchgesiebt.
00:14:25: Dann haben wir die Ehnen zum Bäcker gegeben.
00:14:30: Er hat das abgewogen und hat uns Brötchen und Brot dafür verkauft.
00:14:37: statt Magen zu geben.
00:14:39: Ja,
00:14:40: Brotmagen hatten wir ja so und so viel Brotmarken.
00:14:46: Sie hatten wirklich viel zu tun mit dem Überleben damit Essen heranzuschaffen?
00:14:52: Mit solchen Aufgaben.
00:14:55: Ja sie sagten ihr Bruder hat ihnen geholfen.
00:14:58: haben sie das so hinbekommen dass die Geschwister alle auch ihre Aufgaben hatten oder mussten sie mehr oder weniger alles alleine
00:15:07: machen?
00:15:07: Nein Mein ein Jahr älterer Bruder, der hat denn die Kohl vom Keller hochgetragen.
00:15:18: Und wir hatten einen Keller ins Kartoffel gekauft und das hat er dann auch hochgebracht...
00:15:25: Die
00:15:27: schweren Arbeiten?
00:15:28: Ja!
00:15:30: Und die anderen beiden haben dann auch ihre Aufgaben gehabt aber die waren nur Jünge.
00:15:37: Meine Schwester war fünf Jahre jünger und mein Bruder, der eine war dann sechs Jahre jungen.
00:15:48: Drei Geschwister mit mir vier.
00:15:52: Da ist nicht nur das Essen besorgen womit sie sich beschäftigen mussten sondern ich denke auch an die ganze Wäsche.
00:15:59: wir haben sie das bewältigt.
00:16:02: Das war sehr schwer.
00:16:03: haben wir auch unten den großen Kessel fertig gemacht mit der Bettwäsche und so.
00:16:13: Und mein Bruder hat das Feuer gemacht, mit Holz und die Abends hatten wir das fertiggemacht und morgens früh hat er dann angesteckt, den Ofen.
00:16:33: praktisch ist die Wäsche gekocht oder heiß gemacht, stark kurz von kochen und dann haben wir sie ziehen lassen.
00:16:45: Und das war aber sehr schwer – die Bettwäsche!
00:16:50: Ja... Aus diesem Kessel der unten in der Waschkücke war den Bettbezug und ausflingen.
00:17:01: Das war furchtbar schwer.
00:17:03: Und danach her spülen, das ging ja noch.
00:17:08: Meine Schwester und ich haben dann die Wäsche aufgehängt auf dem Hof und meine Schwester mit einem Schämel damit sie dann rankommt und mir dazu reichen konnte den Bittbezug unterlaken und Kopfkissen und was eben so ein großes Stück war.
00:17:31: War furchtbar schwer aber ... Wenn ich dann aus dem Fenster nachher geguckt habe und meine Wäsche da gesehen hab, hab' ich mich gefreut dass es da gehangen hat.
00:17:43: Und getröpnet hat... ...und gebügelt habe ich das nicht aber schön glatt zusammengelegt wenn man das von alleine genommen hat denn war das ja wie ein Gebügel des.
00:17:58: Das wäre
00:18:00: ja auch ein bisschen viel verlangt, wenn sie nun auch noch hätten bügeln müssen.
00:18:04: Ja, bestimmte Dinge habe ich aber bügeln müssen!
00:18:08: Aber die großen Stücke eben nicht, wie gesagt, was ich jetzt gesagt hab, wie ich das gemacht hab.
00:18:16: Sie beschreiben das sehr anschaulich.
00:18:18: Ich sehe die ganze Zeit dieses dreizehn-vierzehnjährigen Mädchen vor meinen Augen und staune immer, wie sieht das?
00:18:27: überhaupt geschafft haben?
00:18:29: Ja.
00:18:30: Aber dann sind mir abends auch oft die Tränen gekommen, denn war ich vollkommen von ab.
00:18:39: Richtig kaputt!
00:18:41: Und danach habe ich gesagt zu meinen Kindern oder Geschwister jetzt tut mir das leid Ich muss einfach aufbrechen und zur Bett gehen.
00:18:52: Ich kann mich nicht mehr halten.
00:18:54: Ich muss mich hinlegen.
00:18:59: Ja, ist gut!
00:19:00: Wir räumen ab und machen dann beide... Die haben das bisschen abgewaschen
00:19:06: und
00:19:07: hat meine Schwester gemacht.
00:19:09: Sie waren unglaublich früh selbstständig?
00:19:14: Ohne Eltern.
00:19:16: Und wir durften in der Wohnung wohnen bleiben weil ich das alles geschafft habe.
00:19:25: Das war also auch ein großer Druck.
00:19:27: Daran habe ich eben auch gedacht, als Sie das mit den Bügeln erzählten, weil ja dann diese Gemeindeschwester wieder kam und guckte in die Schränke ob denn die Christa auch alles schön ordentlich gemacht
00:19:38: hat.
00:19:39: Es
00:19:39: war ja doppelter Druck!
00:19:42: Und große Löcher gestopft hat und gepflegt haben.
00:19:48: Wir haben ja auch auf nichts was gemacht
00:19:52: Eben.
00:19:53: Sie hatten überhaupt nicht im Ansatz die Mittel, die wir heute zur Verfügung haben?
00:19:59: Heute wäre mir das nicht so schwer gefallen.
00:20:02: Nee!
00:20:03: Was war denn so das Schwerste bis auf die Wäsche?
00:20:05: Was war dann noch...
00:20:07: Das Essen daran zu schaffen.
00:20:09: Das war auch schwer.
00:20:10: Und was kochst du morgen und was kochtest du übermorgen?
00:20:14: Hatten sie denn überhaupt mal ein bisschen Zeit für sich
00:20:18: selbst?
00:20:21: Hab gar nicht dran gedacht.
00:20:24: Das einzigste war, dass wir oft in den Bahnstorferwald gegangen sind als Sonntags- oder Sonnenspaziergang.
00:20:38: Das haben Sie also auch aufrechterhalten so ein typisches Familienleben wo man den Sonntagsausflug oder Spaziergang absolviert?
00:20:48: Mensch!
00:20:49: Ja, es war nicht einfach.
00:20:52: Nee, aber sie waren sehr beharrlich.
00:20:54: Wir haben das alles gemacht.
00:20:56: Ich habe das alles und hab mich gefreut, dass ich das geschafft habe.
00:21:01: Und wenn ich mal etwas nicht wusste oder zum Beispiel Ende des Monats nichts mehr hatte was ich kochen konnte dann bin ich zur Nachbarin gegenüber gegangen und habe gefragt ob sie mir nochmal drei oder vier Wurzeln geben könnte dass ich dann ein Mittagessen machen konnte.
00:21:26: Dann habe
00:21:27: ich einfach Wurzelgemüse gemacht mit so einer Mehlspitze und Petersilie geben lassen, auch von den Leuten.
00:21:39: Senderi hab' ich einfach geschält und in die Knolle ins Scheiben geschrieben und in Butter in der Pfanne gebraten Und dann haben wir Kartoffelbrei zugegessen.
00:21:57: Die konnte ich ja mit Milch den Kartoffelfrei machen, wir kriegten hier Lebensmittelkarten, Brot, Fleisch, Butter ...
00:22:08: War alles mit dabei?
00:22:10: Solche Abschnitte...
00:22:14: Wie groß war eigentlich Ihre Wohnung, Frau Rab?
00:22:18: Zwei Zimmer!
00:22:20: Sie hatten eine Zweizimmerwohnung, da lebten sie alle zusammen.
00:22:25: Ja!
00:22:26: Ich würde Sie gerne noch fragen ob denn auch mal jemand Ihnen geholfen hat von ganz allein?
00:22:33: Das beschäftigt mich im Moment diese Vorstellung dass dafür Kinder selbstständig vor sich hinwurschen.
00:22:41: ist dann mal jemand gekommen und hat gefragt ob sie etwas brauchen oder ihnen was geschenkt in unter die Arme gegriffen?
00:22:49: Nee, das nicht.
00:22:52: Aber wie gesagt diese eine Gemeindeschwester, die geguckt hat ob alles sauber und heil ist?
00:23:01: Ja!
00:23:02: Aber gegeben hat uns keiner was.
00:23:05: Das ist ja auch keine große Hilfe wenn sie immer nur guckt ob alle sauber oder heil sind.
00:23:12: Wir durften aber den Wohnen bleiben.
00:23:14: Ja ich verstehe das.
00:23:16: Da gab es keinen Menschen der von sich aus
00:23:20: Nee.
00:23:23: Das Einzige war, dass von der Kirche wenn ein Gedankfest war dann sind die zum Schluss gekommen mit dem Handwagen und da wurde denn alles reingetan was übrig geblieben war an Wurzel und Kurabi an Gemüse und so.
00:23:52: Von Obst weiß ich gar nichts, nur Gemüsen Weißkohl auch Rotkohl vor allen Dingen.
00:24:02: Wir heißen diese noch
00:24:03: Kohlrabi?
00:24:06: Nee, ich mein noch was anderes.
00:24:08: Brücken!
00:24:09: Ja oder
00:24:11: Steckrüben.
00:24:14: Und das brachte man vorbei.
00:24:17: Mittenhandwagen oder Ziehwagen nannte man damals Handwagen, war mit zwei Riesen und sie waren vier Riesen.
00:24:30: Das heißt einmal im Jahr bekamen Sie etwas von der Kirchgemeinde dann spendiert?
00:24:38: Ja praktisch ja!
00:24:41: Und ich muss ehrlich sagen von einer Kirche.
00:24:47: die haben mich besser betreut Als von der Stadt oder... Ja.
00:24:56: Aber die Kirche hat Ihnen ja
00:24:57: auch nur
00:24:58: mal ein bisschen was vom Erntedank gebracht, also so viel war das ja auch nicht?
00:25:03: Nee aber wenn denn jemand was hat aus dem Garten
00:25:08: und
00:25:08: das ein bisschen viel war dann haben Sie das auch vorbeigebracht!
00:25:13: Von der Kirchgemeinde.
00:25:14: Okay, da war doch mal jemand lang gekommen.
00:25:18: Das beruhigt mich jetzt so in meinem Menschenbild.
00:25:21: Ist das gerade ganz wichtig, dass irgendwer diesen Kindern hilft?
00:25:26: Ja!
00:25:30: Wenn Sie heute auf die Zeit blicken... Was würden sie dazu sagen?
00:25:37: Arm.
00:25:41: Ich könnte nur das Wort arm bezeichnen.
00:25:47: Denn es war oft sehr schwer Das könnte ich nochmal erwähnen.
00:25:57: Ich habe denn mein Großvater zu Weihnachten oder zu Ostern Pfingsten, ich sage Opa kommst du zu mir zum Mittagessen?
00:26:16: Denn korrecht auch dein Leibgericht und das war eine Rindfleischbrühe Zwiebel, Soße mit Rindfleisch.
00:26:35: Die Brühe... Da habe ich dann schöne Milklösschen reingemacht.
00:26:44: Das auch seitdem so gerne.
00:26:47: Und dann
00:26:47: hatte er sich immer gefreut und wenn er fertig war mit mir essen, dann macht der immer so.
00:26:54: Hat sich die Lippen noch ganz genüsslich abgewischt?
00:26:59: Ja!
00:27:01: Das sehe ich oft noch vor mir manchmal.
00:27:06: Da haben Sie Ihren Opa glücklich gemacht?
00:27:09: Ja, ich habe ganz viel eingeweckt.
00:27:15: Grüne wohnen Wurzel hab' ich auch eingeweckt Obwohl man ja Wurzel das ganze Jahr ernten konnte oder sagen wir mal in Kelle gehabt hat und dann Eingesandet.
00:27:33: Im Sand drin liegen die ja...
00:27:36: Ja, und eine Apfelstücke und viele Pflaume eingeweckt.
00:27:46: Und diese Pflau, die den Garten hatte hat mir dann auch so viel gebracht was sie nicht verwerden konnte.
00:27:57: Woher wussten Sie denn jetzt schon wieder wie das Einwecken
00:28:01: geht?
00:28:02: Das habe ich mir einfach so ausgedacht Das hat mir keiner gesagt.
00:28:09: Und zwar habe ich das, sagen wir mal jetzt, der Apfelstücke oder Behenstücke und die Häpflaumen entsteint und gekocht und gefüllt in Wegglese und dann natürlich auch mit Zucker Zuckermarken.
00:28:40: Mit dem Zucker kam ich ja nah aus und dann habe ich so drei Viertel voll die Gläser gemacht, ein Liedergläser.
00:28:54: Und dann konnte ich vier bis fünf Gläse in meinen großen Topf tun, wo meine Mutter immer mal ein Wessestück drin gekocht
00:29:06: hat?
00:29:07: Ja!
00:29:08: Konnte ich dann diese Weckgläser reinordnen und den Dreiviertel voll mit Wasser zum Kochen gebracht.
00:29:22: Und in zwanzig Minuten auf kleine Flanne kochen lassen, und da waren die Gläser auch alle zu.
00:29:31: Das haben Sie einfach ausprobiert und gemacht?
00:29:34: Ja gedacht und gemacht!
00:29:37: Sie sind wirklich großartig.
00:29:40: Hat Ihnen das mal einer gesagt, dass sie das so super hinbekommen haben?
00:29:46: Ja die Frau gegenüber von der ich mir hab wo zugeben lassen.
00:29:51: Die hat sie auch gelobt
00:29:55: und die haben sich sogar gefreut und auch einmal ein Lob gegeben.
00:30:01: und vor allen Dingen wo zugegeben haben viele.
00:30:07: Und wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken, was würden Sie der dreizehnjährigen Christa sagen?
00:30:14: Wenn sie heute so zurückschauen.
00:30:19: Das hast du aber fein gemacht!
00:30:22: Da würden Sie sich so richtig loben...
00:30:25: Ich bin viel gelobt worden.
00:30:27: Oh da bin ich froh.
00:30:29: Von den Nachbarn die so eine Not nicht hatten haben mich gelobbt.
00:30:36: Wie war das mit der Schule?
00:30:38: Sie mussten doch quasi den ganzen Tag da arbeiten zu Hause.
00:30:42: Wie haben sie das überhaupt noch hingekriegt, dass sie zur Schule gegangen sind?
00:30:47: Ich habe oft fehlen müssen und dann hab ich aber auch prompt gesagt warum mich gefehlt habe.
00:30:56: Und dann hat der Lehrer natürlich gesagt um die Lehrerin ist gut Christa So gute Zeugnisse konnte ich ja gar nicht bringen.
00:31:08: Das wäre ja wohl auch nicht möglich.
00:31:11: Weil das eben nicht ging, ne?
00:31:13: Sie haben dafür etwas ganz Wichtiges geleistet.
00:31:16: Sie sorgten dafür dass ihre Geschwister einen zu Hause behielten und satt waren und was zum Anziehen hatten.
00:31:25: Und das habe ich auch so gesagt
00:31:28: schon
00:31:28: als Kind.
00:31:31: Als dreizehn-vierzehnjährige hab ich da schon gesagt die schönste Zeit war Eigentlich immer der Dezember-Monat.
00:31:45: Durch... Ja, wie soll man das nennen?
00:31:49: Durch den Advent?
00:31:51: Durch die Adventzeit zum Beispiel ja!
00:31:55: Dann hat man auch mal Lust gehabt ein Kuchen zu backen und Gebäck zu machen und so.
00:32:04: Das kommt ja dann alles noch dazu.
00:32:09: Und da haben sie auch versucht es gemütlich zu machen, so richtig adväntlich.
00:32:14: Ja.
00:32:17: Jetzt werden sie schon ein bisschen müde.
00:32:19: Ich würde noch gerne zum Schluss fragen ob es
00:32:24: Ratschläge
00:32:25: gibt an junge Leute?
00:32:28: Heute!
00:32:30: Was würden Sie jungen Menschen empfehlen oder ans Herz legen?
00:32:36: Dass sie ein bisschen Kleingeweck machen... Auch eine Handarbeit machen, ist auch was Schönes.
00:32:49: Eine kleine Decke ausstecken, etwas sehr Schönes und kleine Umlandung machen.
00:32:58: Und brauchen ja nur vier Motive zu sein an jede Ecke.
00:33:06: ein Motiv könnte ich mir so vorstellen.
00:33:12: Sie würden vorschlagen dass junge Menschen auch ein bisschen was Häusliches machen, ich überlege gerade wie ich das formulieren kann.
00:33:22: Handarbeit!
00:33:24: Gibt es auch so allgemeine Ratschläge?
00:33:26: Worauf soll man achten?
00:33:29: was ist wichtig im Leben?
00:33:32: Nähen und stopfen können.
00:33:36: Was ist denn noch wichtig in dem Leben?
00:33:39: Auch eine Kartoffel?
00:33:42: sagen wir mal ne Perlkartoffel machen nur einfach Kartoffeln entopf mit Wasser und zum Kochen bringen.
00:33:54: Diese ganz alltäglichen Fähigkeiten können wir das so formulieren, dass sie allen ans Herz legen auch diese Alltagsfähigkeiten zu beherrschen?
00:34:06: Könnte man so sagen ja!
00:34:08: Denn letztlich
00:34:09: hat ihnen
00:34:09: das ja auch ganz viel geholfen, dass Sie es einfach konnten oder ausprobiert haben.
00:34:15: Ja!
00:34:16: Sonst wäre ja gar hätte ja nichts geklappt.
00:34:20: Also ist das auch ein guter Rat?
00:34:23: Ist es.
00:34:24: Auch an die ganz jungen Leute oder vielleicht sogar an die Kinder-Oderan?
00:34:29: Ja,
00:34:30: ich kann mir gut vorstellen dass es auch heute noch Familien gibt die ohne Eltern sind aber sie sind ja meistens alle im Heim oder so genau Auch in
00:34:47: Grundgruppen und dergleichen.
00:34:48: Also so ganz alleine dürfen Kinder heute nicht leben?
00:34:52: Nee!
00:34:53: So wie Sie das gemacht haben, das würde nicht mehr gehen.
00:34:57: Nein natürlich nicht gehen, das stimmt.
00:35:00: Tinden sie das jetzt so besser wenn die Kinder anderweitig versorgt sind?
00:35:08: Ja warum nicht?
00:35:10: Wenn sie damit zufrieden sind was ihnen geboten wird dann ist es ja in Ordnung.
00:35:18: sagen wir mal jetzt eine zehnjährige, wenn die sich zwei oder dreimal in der Woche sich was anderes anziehen kann da könnte sie schon zufrieden sein.
00:35:33: Ja das war bei ihnen auch nicht so ne?
00:35:36: Sie mussten sicherlich immer das Gleiche
00:35:38: tragen
00:35:39: bis Samstag die große Wäsche war!
00:35:42: Ja ja jedes Mädchen oder auch Jungen würde ich raten, über den Topf zu gucken was gekocht wird.
00:36:01: Oder eine Soße die man macht mit einem Buttermehlschwitze und Kartoffel das kocht sich von alleine.
00:36:14: Auch ein Braten machen können.
00:36:17: oder eine Bolette
00:36:18: Ja, das einfach mit anzugucken und dabei zu lernen.
00:36:22: So wie Sie es gemacht haben bei Ihrer Mama?
00:36:27: Das hilft viel!
00:36:31: Und zum Beispiel man kann da ja auch nur vom Schlachter gehacktes nehmen und dann eine Zwiebel dazu und ein Brötchen einweichen und dann Buletten machen.
00:36:51: Ja, sie geben uns schon richtig die Rezepte mit auf den Weg!
00:36:57: Das ist sehr praktisch.
00:36:59: Praktisch und etwas anderes als ein Stück Fleisch zum Beispiel.
00:37:07: Ich finde aber auch wichtig was Sie gesagt haben dass sie auch den Jungs raten würden so was zu lernen.
00:37:14: ich glaube Man müsste keinen Unterschied machen zwischen Junge und
00:37:19: Mädchen.
00:37:19: Nein!
00:37:20: Ein Junge kann genauso gut kochen wie ein Mädchen, bloß die Jungs sind bisschen derwe, bisschen herzhaft.
00:37:31: Mit dem was sie essen wollen?
00:37:33: Ja zum Beispiel könnte man so denken da gibt es noch viele Sachen was man noch sagen könnte und vor allen Dingen ist ja... saubere Kleidung und Heil muss es sein.
00:37:50: Und das war ja zu meiner Zeit oft nicht der Fall, ne?
00:37:56: Sie haben aber dafür gesorgt dass es möglich so sauber und heil war wie's nur ging.
00:38:03: So ist es!
00:38:04: So kann man das sagen.
00:38:07: Ich freue mich dass sie uns hier alles erzählt haben woran die sich noch so erinnern aus dieser besonderen und schwierigen Kinderzeit, die uns alle in Staunen versetzt.
00:38:22: Ja ich möchte jetzt nur noch sagen wo ein Wille ist auch ein Weg!
00:38:30: Und wenn man dieses beherrscht dann klappt das auch.
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